Auf der Euroblech legt LVD den Schwerpunkt auf flexible Lösungskonzepte für Automation und Zellenfertigung. Durch Industrie 4.0-fähige Technologien will LVD die einfache Umstellung auf eine wettbewerbsfähigere Fertigungsebene bieten.

Euroblech

Digitalisierung allein als Schlüssel zum Erfolg?

Der Weg zu Industrie 4.0 führt über die Analyse der Geschäftsprozesse. Wie das funktioniert, erklärt LVD-Geschäftsführer Dr. Marc Fleckenstein im Interview.

Das Motto der Euroblech heißt in diesem Jahr „Am Puls der Digitalisierung“. Bei LVD kommt bei den Exponaten zuerst die Hardware und zum Schluß das Digitale?

Das ist fast korrekt. Eins ist ganz klar: Wir bei LVD sind schon seit vielen Jahren, Jahrzehnten, mit Industrie 4.0 unterwegs, bevor es so genannt worden war. Es ist ein Selbstverständnis für uns. Alles, was wir neu machen, ist datenbankgesteuert. Und zwar von Anfang an. Hier gibt es stetige Verbesserungen, aber das Thema ist jetzt für uns nicht die Neuerung schlechthin, weil wir und viele unserer Kunden schon jahrelang damit arbeiten.

Und eines muss ich an der Stelle noch sagen: Digitalisierung und Industrie 4.0, das ist nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg. Vieles hängt von der Hardware, also vom eigentlichen Maschinenbau, ab – und da sehen wir noch viel Potenzial.

Interpretieren Sie Industrie 4.0 eher als erweiterte Form der Automatisierung und weniger als die Datenanalyse?

Das stimmt nicht ganz. Ich gebe Ihnen zwar recht, dass es bei den Produkten auf dieser Euroblech sehr viel mit Automatisierung zu sehen gibt, aber natürlich sind viele Dinge datenbankgesteuert. Nehmen Sie unser Easy-Form-Laser-Winkelmesssystem an den Easy-Form-Abkantpressen, das wir seit Jahren einsetzen. Hier haben wir für viele Materialien Daten gespeichert und nutzen diese im Prozess, um exakte Winkel auf Anhieb zu erreichen. Die CADMAN Suite bildet den kompletten Produktionsfluss ab, von „Art to Part“.
Alles zusammen hat zu dieser Euroblech eine Effizienzsteigerung erfahren – einerseits durch Software-, andererseits durch Hardware-Entwicklungen.

Können Sie den Grundsatz Ihrer Industrie-4.0-Lösungen beschreiben? Ist das Fernziel auch bei Ihnen die autonome Fabrik?

Nicht unbedingt, weil für uns der Mensch weiterhin einen wichtigen Faktor in der Fertigung darstellt. Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten zehn Jahren nur mannlose Betriebe haben werden. Was die Schneid- und Stanzprozesse betrifft, da wird allerdings immer mehr mannlos gearbeitet. Dafür bieten auch wir entsprechend automatisierbare Maschinen an, die an einen Compact Turm oder eine andere automatische Lagertechnologie angebunden sind.

Bei der Kanttechnologie hängt es von den Teilen ab, die produziert werden. Auch da werden immer häufiger Roboter zur Unterstützung eingesetzt. Bei großen Losgrößen sind Roboterautomatisierungen sicherlich sinnvoll. Und wenn häufige Produktwechsel erforderlich sind, kommen Systeme zur Automatisierung des Rüstens zum Einsatz. Aber der Mitarbeiter wird da weiterhin gebraucht – natürlich auch zur Überwachung der Programmierung.

Der Mensch nimmt immer noch eine Schlüsselstellung ein, wir dürfen nicht an ihm vorbei planen. Aber das Arbeitsumfeld, das wird sich sicherlich verändern. Und im Wettbewerb um die weniger werdenden Fachkräfte ist es sicherlich ein Vorteil, wenn belastende Arbeiten auf Maschinen verlagert werden.

Kommen wir zurück auf die Kerngedanken Ihrer Industrie 4.0 Lösungen.

Grundsätzlich basiert bei uns Industrie 4.0 auf der Analyse von Geschäftsprozessen und daran angepasste Lösungen durch unser Softwarepaket oder Teile davon. Immer unter dem Aspekt „best fit“ die Lösung, die am besten zum Kunden passt. Es gibt Kunden, die brauchen die komplette CADMAN-Suite, weil sie alles abdecken wollen, und es gibt Kunden, die wollen Schritt für Schritt vorgehen und brauchen zunächst nur Teile davon. Denn das gehört für uns auch zu Industrie 4.0, dass man nicht auf einmal die komplette Fabrik umstellen muss, sondern auch schrittweise vorgehen kann.

Neben der Analyse der Geschäftsprozesse ist natürlich der Wunsch des Kunden ganz wichtig, was er denn schon umsetzen will. Wir können von der Teil- bis zur Komplettlösung alles anbieten. Aber entscheidend ist, den Weg anzutreten, den der Kunde selber gehen will. Und dabei ist es enorm wichtig, auch die Mitarbeiter mit einzubeziehen und sie zu motivieren, diesen Wechsel zu begleiten. Von jetzt auf gleich funktioniert das nie. Die Leute müssen wissen, was man erreichen will und wie sie eingebunden werden.

Der Kunde und seine Mitarbeiter müssen selber von diesem Weg überzeugt sein. Im Mittelstand ist das wichtig, in Großkonzernen läuft es etwas anders. Da gibt es eine klare Vorgabe, die die Motivation des Personals ist dann eher ein Faktor in der Umsetzungsgeschwindigkeit.

Diese Anpassung an den Kunden – können Sie das etwas konkreter benennen?

Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Ich war bei einem Kunden, der die CADMAN-Suite ziemlich neu installiert hatte. Er war komplett geschult und eingewiesen und trotzdem unzufrieden. Der sagte mir, dass die Software aus seiner Sicht nicht wirklich automatisch funktioniere, er müsse „immer noch“ einige Operationen bestätigen und das „immer wieder“. Er hatte somit den Ansatz in unserer Software nicht richtig verinnerlicht und sein System nicht vollständig eingestellt.
Wir gehen davon aus, dass der Unternehmer immer noch seine eigene Entscheidungen trifft, wie er sein Unternehmen leiten will. Will er der Schnellste sein, der von der Bestellung bis zur Auslieferung die kürzestem Durchlaufzeiten realisiert – dann geht er natürlich das Risiko ein, sehr viel Abfall zu produzieren. Umgekehrt kann er sagen, er will ressourcenschonend arbeiten. Dann kann er seine Aufträge so bündeln, dass er das Maximum aus dem Material herausholt, hat dann aber längere Durchlaufzeiten. Er kann aber auch einsatzoptimiert arbeiten, und beispielsweise die Aufträge so bündeln, dass möglichst wenig Werkzeugwechsel erforderlich sind. Vielleicht soll aber auch eine Mischung aus diesen Strategien gefahren werden.

Hier muss ich als Unternehmer entscheiden, was ich will. Und das bildet dann die Software ab. Unsere Software kann das alles machen, aber sie kann dem Unternehmer nicht diese grundlegende Entscheidung abnehmen. Deswegen ist es für LVD so wichtig, zunächst die Geschäftsprozesse zu analysieren. Der Kunde muss wissen, was er will, und das in seinen Geschäftsprozessen widerspiegeln. Wir machen dann die entsprechende Lösung. Wir sehen uns deshalb mit unserer Erfahrung auch als Analysepartner, um Philosophien zu verstehen und umzusetzen.
LVD ist seit Jahren ein Lösungsanbieter. Wir verkaufen keine Maschinen um des Verkaufens willen, wir entwickeln und verkaufen Lösungen „best fit“. Das ist in unserer DNA drin.

Das klingt gut, aber wie sieht es konkret in der praktischen Anwendung am Arbeitsplatz aus?

Wenn ich beispielsweise CADMAN-B habe, mit dem ich Biegeprogramme erstelle, dann berücksichtigt diese Software die tatsächlich vorhandenen Werkzeuge sowie den kompletten Werkzeugkatalog auch nicht vorhandener Werkzeuge. Wenn dann für einen Biegeprozess ein Werkzeug fehlt, dann zeigt das Programm das an. Die Realisierbarkeit wird also aufgezeigt und es kann schnellstmöglich das fehlende Werkzeug beschafft werden. Aber vielleicht wird dieses Werkzeug nur ein einziges Mal gebraucht? Es ist deshalb sinnvoller, wenn der Programmierer in die Konstruktion geht und fragt, ob das Teil nicht umkonstruiert werden kann. Deshalb fordert die Software hier die Eingabe einer Entscheidung, bevor sie weiterarbeitet.

Ein anderes Beispiel ist die Verschachtelung beim Stanzen oder Laserschneiden. Dabei bleibt immer Restmaterial mit mehr oder weniger Verschnitt, aus dem sich vielleicht Kleinteile, beispielsweise Scharniere, eines anderen Auftrags unterbringen lassen. Der Bediener kann jetzt die Verschachtelungssoftware anweisen, die Aufträge so zu bündeln, dass das Material optimal ausgenutzt wird, dafür aber nicht die kürzesten Durchlaufzeiten erreicht werden. Das wäre dann die Unternehmensstrategie. Und dann kommt das Tagesgeschäft: In der materialoptimierten Planung erscheint dann der Auftrag des sehr wichtigen Kunden X, dessen Auftrag auf keinen Fall zwei Tage liegen bleiben kann. Das kann die Software nicht wissen. Und deswegen sagen wir, dass immer ein Bediener die automatisch erzeugten Programme freigeben muss. Hier geht es um die Frage: Welche Flexibilität gibt mir mein Programm und welche Flexibilität will ich haben?

Was gehört eingentlich zum Softwarepaket von LVD?

Wir haben unsere CADMAN Suite. Beginn ist CADMAN-SDI (Smart Drawing Importer) für den Import der CAD-files und die erste Identifizierung der Kostentreiber. Dann kommt CADMAN-JOB, welches die Arbeitsvorbereitung über CADMAN-B, -P und –L ansteuert. Diese decken die Bereiche der Maschinen für das Biegen, Stanzen und Lasern ab. Sie können auch einzeln eingesetzt werden. Das Ganze läuft auch ohne SDI, ansonsten sind bestimmte Sachen im Paket vorgegeben.

Wie sieht es aus, wenn es um Maschinen und nicht um Software geht?

Hier wollen wir ebenfalls – wie bei der Software – mit den Kunden prüfen, was die beste Lösung ist. Oft kommt der Kunden mit einer Idee, aber die Idee beschreibt vielleicht gar nicht den Weg. Wenn ein Kunde sagt, er brauche eine Abkantbank mit 220 Tonnen Presskraft und vier Metern Biegelänge, dann könnten wir die Maschine direkt aus dem Katalog anbieten. Wir fragen allerdings den Kunden: Was willst du denn machen, und wohin willst Du Dich mit Deiner Fertigung entwickeln? Vielleicht macht es ja Sinn, bei der Tonnage runter zu gehen, weil der Kunde nicht sein ganzes Produktprogramm über diese Abkantpresse laufen lassen muss. Das ist eine ganz klassische Analyse des Produktionportfolios.
Oder wenn ein Kunde eine Stanzmaschine kaufen will, dann fragen wir ihn, warum er nicht auf einen Laser gehen möchte. Meist kommt dann die Antwort: Wir haben die Werkzeuge. Unsere Frage ist dann: Machst du mit der Stanzmaschine etwas, was der Laser nicht kann?

Gibt es denn so etwas wie den typischen LVD-Kunden?

Den typischen LVD Kunden gibt es nicht. Wir bieten ja im ganzen KMU-Bereich an. Im K-Bereich geht es etwa bis 50 Mitarbeiter, dann im M-Bereich sind es 200-250 Mitarbeiter, bis hin zu Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Eigentlich sind alle Namen aus der Branche dabei, die man kennt. Der klassische LVD-Kunde, der immer wieder kommt, weiß, dass er Lösungen in Best-Fit angeboten bekommt. Und die, die sich auf uns eingelassen haben, wissen: Wir verkaufen nicht um des Verkaufens willen, sondern wir verkaufen, um der Lösung willen. Und dazu gehört es auch, einen Kunden von seiner ursprünglichen Idee abzuraten.

Zum Auftritt von LVD auf der Euroblech. Angekündigt ist die Weltpremiere der ToolCell. Können Sie schon etwas darüber verraten?

Ich darf nicht alles verraten, sonst wäre es ja keine Premiere mehr. So viel sei nur gesagt: Wir haben ein um 50 Prozent erweitertes Werkzeugmagazin in der Maschine und damit eine wesentlich höhere Flexibilität. Und wir haben verbesserte Werkzeugwechselwege und damit deutlich schnellere Rüstzeiten erreicht. Das Teileprogramm, wofür man die Maschine einsetzt, hat sich schlagartig erweitert. Deutlich mehr Produktionsprozesse können jetzt über die ToolCell laufen.

Wie sieht es mit der Roboterautomatisierung der ToolCell aus?

Die ToolCell fokussiert auf die Reduzierung der relevanten Nebenzeiten und damit den Werkzeugwechsel. Der eigentliche Biegeprozess ist durch das Easy-Form-Laser-Winkelmesssystem bereits sichergestellt und lässt sich aufgrund der Sicherheitsvorgaben im manuellen Betrieb nicht beziehungsweise nur noch bedingt effizienter machen. Wir werden die Roboterautomatisierung an der ToolCell zwar weiter vorantreiben, aber auf der Messe nicht zeigen. Eine Roboterautomatisierung wird diesmal an einer Dyna-Cell mit Kuka-Roboter zu sehen sein. Die Biegezelle Dyna-Cell ist etwas für mittelgroße Werkstücke und hohe Stückzahlen und erreicht mit dem verwendeten elektrischen Antrieb maximale Bearbeitungsgeschwindigkeiten. Sie ist kompakt aufgestellt und die Komponenten sind komplett integriert.

Weiterhin verwenden wir ein neuartiges Greiferkonzept, welches die Flexibilität der Zelle erhöht. Damit zeigen wir, dass wir uns nicht nur im hydraulischen Bereich, sondern auch im elektrischen Bereich weiterentwickeln.

Gibt es noch weitere Besonderheiten?

Wir werden dort wieder eine Lasermaschine vom Typ Electra zeigen, diesmal aber mit 10 Kilowatt Laserleistung und Compact Tower als Automatisierungslösung. Die Maschine erreicht Beschleunigungen von 2 g beim Schneiden. Das ist ultraschnelles Schneiden mit hoher Qualität. Die Electra selbst ist ja schon länger im Markt, aber jetzt haben wir eine adäquate Strahlquelle für diese hochdynamische Maschine. Sicherlich ginge an Laserleistung noch mehr, aber wir haben uns zunächst für die 10-Kilowatt-Laserquelle von IPG entschieden. Sie ist getestet, marktreif und industriereif.

Außerdem wird die Stanzpresse Strippit PX mit flexiblem Automatisierungssystem für schnelle Be- und Entladung sowie für die Entnahme von Teilen ausgestellt, an der ein ununterbrochener Produktionsfluss realisiert ist.

Dann stellen wir auch eine Stanzlösung vor, denn das Stanzen wird trotz der immer schnelleren Lasermaschinen weiterhin seine Berechtigung haben.

Was sollte sich der eilige Kunde auf jeden Fall bei LVD anschauen?

Definitiv die neue ToolCell und die Electra 10 kW. Und wenn er sich für Industrie 4.0 interessiert, dann sollte er sich etwas mehr Zeit nehmen und in die IT-Welt von LVD etwas intensiver eintauchen.

Wir danken für das Gespräch.

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