Rohmaterial von Guenter+Schramm für den Zylinder und der reibgeschweißte Zylinder (hinten).
Foto: Günter + Schramm

Werkstoffe

Full-Service-Dienstleister im Einsatz

Günther + Schramm übernimmt für Heidelberger Druckmaschinen die Beschaffung sowie die Bearbeitung, Logistik und Bereitstellung von Material.

Seit mehr als 25 Jahren bezieht die Heidelberger Druckmaschinen AG ihre Rohstoffe für einen Zylinder, ein wichtiges A-Teil für Bogenoffsetdruckmaschinen, über Günther + Schramm. Damit Zeit und Kosten optimiert werden konnten, wurde der Beschaffungsprozess weiterentwickelt: Als Full-Service-Anbieter übernimmt der süddeutsche Stahl- und Metallhändler heute sowohl die Beschaffung als auch die Bearbeitung, Logistik und Bereitstellung des Materials. Die endkonturnahen Komponenten liefert Günther + Schramm just in time bis an die Bearbeitungsmaschinen. Dadurch spart Heidelberger Druckmaschinen etwa 15 % an Herstellungskosten und reduziert zusätzlich den Dispositions- und Verwaltungsaufwand entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist Hersteller von Bogenoffset- und Digitaldruckmaschinen. Die zugehörigen Servicedienstleistungen und Verbrauchsmaterialien werden aus einer Hand angeboten. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen auch Softwarelösungen für Druckereien. Weltweit beschäftigt der Druckmaschinenexperte über 11.000 Mitarbeiter und ist an 250 Standorten in 170 Ländern vertreten. Für die Komponenten ihrer Maschinen setzt die Heidelberger Druckmaschinen AG auf Prozesssicherheit und Qualitätsstandards.

Alte Prozesse ausgelagert

Bis vor kurzem belieferte der süddeutsche Stahl- und Metalldistributor Günther + Schramm das in Wiesloch-Walldorf ansässige Unternehmen regelmäßig mit Sägeteilen, aus denen ein Zylinder für die Bogenoffsetdruckmaschinen gefertigt wurde. Das gelieferte Rohteil ist über 1,4 m lang und wiegt knapp 1 t. Die Komponente musste in der Vergangenheit von Heidelberger Druckmaschinen aufwändig zerspant werden. Rund 20 % des Materials gingen dabei verloren. Zudem konnten die großvolumigen Komponenten nur auf einer bestimmten, entsprechend großen Maschine bearbeitet werden. Um sich in der Produktion deutlich effizienter aufzustellen und Kosten zu sparen, wurde eine neue Lösung entwickelt.

Vom klassischen Stahlhändler zum Full-Service-Dienstleister

Gemeinsam mit Günther + Schramm wurde ein Prozess entwickelt, mit dem das Rohteil produktionsgerecht und kostengünstig hergestellt werden kann. Dazu waren eine deutliche Gewichtsreduktion sowie eine Umstellung der bisherigen Vorbearbeitung notwendig. „Wir haben gemeinsam mit Heidelberger Druckmaschinen, insbesondere mit den Zylinder-Experten im Werk Amstetten und der Technologieberatung, diverse Alternativtechnologien unter die Lupe genommen und bewertet. Mit dem Reibschweißen haben wir ein optimales Verfahren gefunden, das allen Anforderungen gerecht wird“, blickt Georg Reisinger, Projektverantwortlicher bei Günther + Schramm, zurück. Bei diesem Bearbeitungsprozess werden drei einzelne Komponenten, ein großes Mittelstück sowie zwei einzelne Zapfen, zu einem Zylinder zusammengeschweißt. Dadurch konnte der aufwändige Bearbeitungsprozess optimiert werden, der zuvor notwendig war, um die entsprechende Endkontur der Einzelkomponente zu erzielen. „Beim Bedrucken von Papier rotiert der Zylinder im hohen Drehzahlbereich und unterliegt sehr hohen mechanischen Belastungen. Die Schweißverbindung darf dabei auf keinen Fall fehlerhaft sein, das würde einen erheblichen Schaden in der Maschine verursachen. Zusammen mit Günther + Schramm haben wir einen optimalen Fertigungsprozess und ein passgenaues Logistikkonzept entwickelt, die unseren hohen Qualitätsansprüchen gerecht werden“, berichtet Andreas Gund, Leiter Technologieberatung und Standardisierung bei Heidelberger Druckmaschinen. Nach der Auswahl der neuen Technologie fungierte der Stahlhändler zunächst als Materiallieferant. Die Schweiß- und Bearbeitungsaufgaben übernahmen externe Dienstleister, die von Heidelberger Druckmaschinen koordiniert wurden. Ein hoher Verwaltungs- und Dispositionsaufwand, viele Schnittstellen sowie lange Durchlaufzeiten waren das Resultat. „Für uns stand fest: Wir brauchen einen gesamtverantwortlichen Partner für unseren fertig geschweißten Zylinder, der von der Materiallieferung über die Vorbearbeitung der Einzelkomponenten bis hin zum fertig geschweißten Rohmaterial alles abdeckt. Da Günther + Schramm seit Beginn an in den neuen Prozess involviert war, wollten wir das Unternehmen als Partner für dieses Projekt gewinnen“, blickt Andreas Gund zurück.

Und so bleibt alles im Fluss

Günther + Schramm bevorratet die Sägeteile in seinem Lager in Mannheim. Im Sägezentrum werden die Komponenten gesägt. Dabei wird jeder Prozessschritt datentechnisch erfasst und dem Kunden übergeben. So sorgt der Stahlhändler für eine hohe Nachverfolgbarkeit und eine größtmögliche Transparenz. Als verlängerte Werkbank kooperiert der Systemlieferant mit drei Unterlieferanten, um die Zylinder und Zapfen bedarfsgerecht zu bearbeiten und zu einem Bauteil zu verschweißen. „Die Herausforderung besteht darin, komplexe Liefer-, Bearbeitungs- und Logistikprozesse zu koordinieren“, erklärt Georg Reisinger. „Wir tragen die Verantwortung für jedes einzelne Teil und sorgen dafür, dass alle Materialien just-in-time geliefert werden. Das ist bei 1.000 t Material pro Jahr und der Verknüpfung von verschiedenen Projektpartnern eine echte Herausforderung.“

Positive Ergebnisse und Einsparungen

Am Ende des Prozesses liefert Günther + Schramm ein reibgeschweißtes Rohteil, das der Endkontur des einbaufertigen Zylinders sehr nahekommt. Somit muss der Druckmaschinenexperte nur noch wenig Nacharbeit leisten, bis das Produkt in die Maschinen integriert wird. Dadurch spart die Heidelberger Druckmaschinen AG Zeit in der Produktion und kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Außerdem wird weniger Material verschwendet, da der Zylinder nun aus drei Einzelkomponenten gefertigt wird und keine aufwändigen Zerspanungsarbeiten mehr zu tätigen sind. Im Vergleich zum eigentlichen Ursprungsmaterial sind die neuen Komponenten um 18 % leichter. Zudem können kleinere Maschinen für den weiteren Bearbeitungsprozess genutzt werden. Dadurch profitiert das Unternehmen nicht nur von geringeren Maschinenstundensätzen, sondern spart jährlich 790 t an CO2. Eine Kostenersparnis von insgesamt mehr als 15 % ist das Ergebnis des Projekts.

Über Günther + Schramm

Günther + Schramm ist nach eigenen Anqaben einer der führenden Systemdienstleister für Stahl, Edelstahl und Aluminium in Süddeutschland. Das Unternehmen wurde 1930 gegründet und beschäftigt an den vier Standorten Oberkochen, Königsbronn, Stuttgart und Mannheim rund 180 Mitarbeiter. Der Stahlhändler und Systemdienstleister ist zum einen im klassischen Metallhandel tätig, zum anderen bietet das Unternehmen verschiedene Dienstleistungen in der Lohnfertigung und realisiert komplexe Outsourcing-Projekte im Bereich der Material- und Prozesslogistik. Knapp 2.000 aktive Kunden aus dem Maschinen- und Werkzeugbau sowie der mechanischen Bearbeitung und Elektrotechnik versorgt Günther + Schramm mit Blank- und Walzstahl, Edelstahl, Qualitäts- und Werkzeugstahl, Guss, Aluminium und Sonderwerkstoffen.

Foto: Schuler

Pressen

Wenn eine Presse völlig neue Möglichkeiten eröffnet

Die hydraulische 2.500-t-Einarbeitungspresse von Schuler eröffnet dem Werkzeugbauer Riemann neue Perspektiven und entspricht dessen Unternehmenswerten.

Foto: SHL AG

Entgraten

Hochwertige Waren schleifen, polieren und entgraten

SHL stellt Anlagen für robotergestütztes Schleifen, Polieren und Entgraten von Oberflächen her. Der Spezialist sieht Potenzial bei Haushaltswaren.

Foto: Matthias Baroni

Umformtechnik

Modulares Ziehkissen mit hoher Dynamik

Ein neues Ziehkissensystems von Moog ist modular aufgebaut und kann nach kundenspezifischen Kraftprofilen ausgelegt werden.

Foto: Trumpf

Laserschneiden

Trumpf: Aufgewertete Einsteigermaschine

Die 2D-Lasermaschinen der Trulaser 1000er Serie werden jetzt mit Automatisierung, verbesserter Maschinendynamik und höherwertigen Funktionen ausgestattet.