Der konstruktive Kniff: Die Seitenständer der ToolCell XT sind um 90° gedreht angeordnet und schaffen so Platz für ein größeres Werkzeugmagazin.
Foto: LVD Group

Biegezellen

LVD Group: Automatisierte Abkantpressen

Die Automatisierung des Biegens ist angesagt. Die LVD Group hat gleich zwei neue Lösungen vorgestellt: ToolCell XT und die Roboterbiegezelle Dyna-Cell.

Das Abkantpressensystem ToolCell von LVD Group ist die Antwort des belgischen Unternehmens auf den Trend zu kleinen Losen und kurzen Umrüstzeiten. Clou des erstmals 2012 vorgestellten Systems ist ein automatischer Werkzeugwechsel per Roboter, wobei das Werkzeugmagazin im Hinterraum der Presse angeordnet ist. Das System wird im Markt stark nachgefragt, wobei verschiedene Anwender Bedarf nach einem größeren Werkzeugmagazin angemeldet haben. Deswegen hat LVD Group jetzt das System mit einem gegenüber der ursprüngliche TollCell um 50 Prozent erweiterten Kapazität für Werkzeuge entwickelt. ToolCell XT sei die Lösung, um kleine Lose mit großem Anteil an Mischteilen mit hoher Genauigkeit und minimaler Umrüstzeit effizient zu biegen. Konstruktiv geschickt gelöst ist die Vergrößerung des Werkzeugmagazins, indem die Seitenständer um 90 Grad gedreht angeordnet sind und so in Richtung der Biegewerkzeuge verlaufen. Die große Kapazität von Werkzeugen bietet die Flexibilität, um eine größere Auswahl an Biegearbeiten zu bewältigen.

Werkzeugmagazin erweitert

Die ToolCell XT bietet im Werkzeugmagazin Platz für eine Gesamtlänge an Werkzeugen: Maximal 17.280 mm (± 17,2 m) Stempel und maximal 40.320 mm (±40,32 m) Matrizen. Extra Werkzeugkisten sind auf beiden Seiten der Maschine integriert.

ToolCell XT wechselt Werkzeuge schnell und präzise nach einem Werkzeugwechselplan. Mit dem automatisierten Werkzeugaufbau sparen die Anwender Rüstzeit und zeitaufwändige manuelle Werkzeugeinstellungen. Das Mehr an Werkzeugkapazität ist nicht wirkungsvoll, wenn eine Vielzahl unterschiedlicher Biegeaufgaben bewältigt werden soll, es vereinfacht auch die Produktion, wenn unterschiedliche Materialarten wie Edelstahl und Stahl mit verschiedenen Werkzeugen bearbeitet werden. ToolCell XT wird in einer 135-Tonnen in einer 4-Meter-Konfiguration angeboten, weitere Größen sollen in Zukunft angeboten werden.

Die ToolCell XT ist mit der Prozess adaptiven Easy-Form Laser (EFL) Biegetechnologie ausgestattet , die das Biegen des korekten Winkels ab dem ersten Teil sicherstellt. Das System besteht aus zwei Laserkameras, die mit einer Biegedatenbank in der Steuerung verbunden sind. Wenn die Biegefolge der Abkantpresse ausgelöst wird, überträgt die Messvorrichtung die digitale Information in Echtzeit an die CNC-Steuerung, die sie verarbeitet und anschließend die Biegeparameter so anpasst, dass der korrekte Winkel erreicht wird. Der Biegevorgang wird dafür nicht unterbrochen.

Eingesetzt wird dabei die Touch-B-Steuerung, die mit der einer zentralen CADMAN-Datenbank verknüpft ist, in der alle produktionsrelevanten Daten gespeichert sind. Nach dem Import eines 3D-CAD-Teils berechnet die Software CADMAN-B automatisch den Biegevorgang und bestimmt die optimale Biegereihenfolge, Anschlagpositionen und Werkzeugrüstungen.

Schnelle Roboterbiegezelle

Die Roboterbiegezelle Dyna-Cell mit der elektrischen Hochgeschwindigkeitsabkantpresse Dyna-Press ist konzipiert für das automatisierte Biegen von kleinen bis mittelgroßen Teilen in unterschiedlichen Losgrößen bei Biegegeschwindigkeiten von bis zu 25 mm pro Sekunde. Die Zelle kombiniert die Dyna-Press Pro 40-Tonnen-Abkantpresse mit 1500 mm Arbeitslänge und einem Fünf-Achsen-Hinteranschlag mit einem Kuka-Industrieroboter. Zusammen benötigt die Biegezelle gerade mal den Platzbedarf von 5 x 5 m. Darin inbegriffen ist ein Stapelbereich zum Be- und Entladen mehrerer Paletten sowie das Ablegen der Fertigteile auf Paletten. Das Konzept von Dyna-Cell ermöglicht unbemanntes oder bemanntes Arbeiten und bietet beim automatiserten Biegen großer Mengen von Kleinteilen die Kapazität für eine automatisierte Produktion von bis zu acht Stunden ohne Bedienereingriff.

Universeller Greifer

Wichtig für das System ist der am Roboter eingesetzte patentierte Greifer von LVD. Der Greifer ist für Teilegrößen von 25 mm x 100 mm bis 300 mm x 400 mm angepasst. Mit dem Greifer lassen sich an drei verschiedenen Seiten eines Teils Biegungen ohne Umgreifen vornehmen. Die Greifersaugnäpfe werden über eine Offline-Software gesteuert und je nach Teilegröße aktiviert. Ein Greifer ist für eine Vielzahl von Anwendungen geeignet.

Für die Produktion mit der Dyna-Cell hat LVD Group die 10-10-Regel umgesetzt: 10 Minuten für die Generierung des CAM-Biege- und Roboterprogramms und 10 Minuten für das Einrichten und die erste Teilegenerierung. Damit sind kurze Zeiten vom Entwurf bis zum Werkstück realisierbar. Für Einzelstücke oder sehr kleine Lose kann der Roboter in eine Parkposition gefahren werden, so dass sich Abkantpresse im manuellen Betrieb einsetzen lässt.

Die Roboterzelle ist mit der jüngste Generation der Touch-Screen-Steuerung LVD Touch-B 15” ausgestattet, die vollständig in die CADMAN-Softwaresuite integriert ist.

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