Glanzstücke des Hajdu-Presswerkes sind die 1250-t- (links) und die 800-t-Pressen der Walter Neff GmbH. Im Vordergrund Werkzeugrüsttische für die Großwerkzeuge.
Foto: Dietmar Kuhn

Umformtechnik

Millionen-Investitionen in moderne Presswerkstechnik

In den letzten beiden Jahren hat die Hajdu-Firmengruppe aus Ungarn rund 14,5 Mio. Euro investiert, 3,5 Mio. davon für zwei Umformpressen von Neff.

Ein Blick in das neue Presswerk der Hajdu-Firmengruppe im ungarischen Téglás verrät: Hier wurde kräftig investiert und alles optimal geplant. Die Liste des hochmodernen und großzügig geplanten Maschinenparks weist namhafte Fertigungseinrichtungen aus. Hier finden sich unter anderem auch zwei neue Umformpressen der Walter Neff GmbH– eine mit 8.000 kN und eine 12.500 kN Presskraft.

Erfolgreiche Entwicklung zum Automobilzulieferer

Diese aktuellen Investitionen hängen eng mit der Entwicklung der Hajdu-Gruppe zusammen. Vor rund 65 Jahren als staatlicher Rüstungsbetrieb gegründet, wurde das Produktspektrum des Unternehmens ab 1957 Schritt für Schritt um die Herstellung von Haushaltsgeräten, wie beispielsweise Waschmaschinen, Wäscheschleudern und Warmwasserspeicher, erweitert. Das Unternehmen entwickelte sich weg von der Rüstungsindustrie. Heute steht die Hajdu-Firmengruppe auf drei Säulen:

  • der Hajdu Hajdúsági Ipari AG , die Warmwasserspeicher, wärmetechnische Produkte, Produkte zur Nutzung erneuerbarer Energien herstellt,

  • der Hajdu Autotechnika Ipari AG, die durch Metallbearbeitung und Blechumformung hergestellte Zulieferteile für die Automobilindustrie fertigt sowie Werkzeugkonstruktionen, Werkzeugbau und Werkzeugwartung und Services durchführt, sowie

  • der Hajdu Infrastruktúra Szolgáltató AG, welche die Dienstleistungen für die beiden vorgenannten Produktionsbereiche sowie für externe Kunden im Hajdu Industriepark anbietet.

Bereits 1993 wurde das Industrieunternehmen als eines der ersten in Ungarn vom TÜV Bayern nach ISO 9001 zertifiziert. Heute verfügt es auch über die Zertifikate ISO 14001 und ISO/TS 16949. Der Erfolg von Hajdu begann im Jahre 1994, als Lajos Novotni, Präsident der Hajdu-Firmengruppe, den ehemaligen Staatsbetrieb übernahm und privatisierte. Lajos Novotni gab der Hajdu-Firmengruppe mit Ideen und Zielen sowie seinem Durchsetzungsvermögen ein völlig neues Gesicht und machte das Unternehmen wettbewerbsfähig. Schon nach wenigen Jahren erreichte das Unternehmen mit der Sparte Autotechnika und der Fertigung von Zulieferteilen für verschiedene Automobilhersteller und Tier-1-Lieferanten der europäischen Automobilindustrie Weltniveau.

„Wir selbst sehen uns als Tier-2-Lieferant, was wir auch auf absehbare Zeit bleiben werden“, sagt der besonnene und auch bescheiden wirkende Lajos Novotni. Mit Hilfe seiner Tochter Anna Novotni Dedéné, seinen beiden Söhnen und rund 215 Mitarbeitern hat Novotni es geschafft, zu einem Toplieferant für umformtechnische Automobilteile zu werden. Das Produktspektrum umfasst derzeit unter anderem Karosserieteile, Teile für Abgasanlagen, Sitzteile, Lichtmaschinenelemente sowie Werkzeuge zum Umformen und Stanzen für den eigenen, wie auch für den Fremdbedarf.

In diesem Zusammenhang verweist man in Téglás mit Stolz auf die eigene Entwicklungsstärke, wenn es um den Werkzeugbau und Zulieferteile geht. Dafür steht eine umfangreiche Konstruktions- und Entwicklungsabteilung zur Verfügung, die auf die modernsten und aktuellsten CAD-CAM-Systeme sowie Simulationstools, wie etwa Autoform, zugreifen kann.

Auf der Kundenliste reihen sich Namen wie Faurecia, FémAlk, Modine, Remy, Raba, aber auch VW und Mercedes Benz aneinander. Im nichtautomobilen Bereich gehören Unternehmen wie Grundfos zu den Großkunden.

Aufschwung durch hochwertige Technik

„Der rasante Aufschwung der Hajdu Autotechnika“, konstatiert Lajos Novotni, „ist letztendlich auf unsere hochwertige Fertigung und unseren Kundenservice zurückzuführen. Um künftigen Anforderungen und einem gesteigerten Marktbedarf gerecht zu werden, haben wir in den Jahren 2015, 2016 und 2017 etwa 14,5 Mio. Euro investiert.“ Zu diesem umfangreichen Investitionspaket gehören neben einer nahezu autarken Infrastruktur auch mehrere neue Fertigungsanlagen.

Zu den beiden neuen Doppelständer-Tiefziehpressen der Walter Neff GmbH im Presswerk konstatiert Lajos Novotni: „Mit der 800-t- und 1250-t-Presse können wir jetzt ein völlig neues Produktspektrum fertigen und dem Markt anbieten. Damit lassen sich unsere Fertigungskapazitäten um ein Vielfaches erweitern.“

Zwei Pressen mit moderner Technik

Die beiden Pressen seien auf Wunsch von Hajdu nebeneinander angeordnet wordem erlätert Oliver Dörmann, Geschäftsführer der Walter Neff GmbH. „So können Teile, die in mehreren Pressvorgängen hergestellt werden müssen, auf der einen Presse vorgepresst und auf der anderen fertiggepresst oder tiefgezogen werden“, ergänzt Dörmann. Die Pressen sind so ausgelegt, dass sie jeweils von beiden Seiten zu beschicken sind. Überwiegend sind es Produkte aus Edelstahl- und Aluminiumlegierungen die Hajdu darauf fertigt.

Bei beiden Pressen handelt es sich jeweils um Doppelständer-Tiefziehpressen in sowohl Monoblock-Ausführung als auch geteilter Ausführung mit Werkzeugtischgrößen von 3000 mm x 2000 mm (800-t-Presse) beziehungsweise mit 4000 mm x 1800 mm (1250-t-Presse) Tischgröße. Die Presskräfte reichen dabei von 800 bis 8000 kN bei der 800-t-Presse und von 1250 bis 12500 kN bei der 1250-t-Presse. Die Tische befinden sich bei beiden Pressen auf einem für Bediener ergonomischen Niveau von 750 mm.

Was das Gewicht angeht, so bringt es die 800-t-Presse auf etwa 115 t, die 1250-t-Presse schafft es dagegen auf etwa 215 t. Angetrieben werden die Pressen zum einen von zwei 132-kW- Motoren und zum anderen von zwei 200-kW-Motoren.

Ausgestattet sind beide Pressen mit dem aktuellen Equipment führender Komponentenhersteller wie beispielsweise Siemens (SPS-Steuerung), Parker (Hydraulik), Sick (Sicherheitseinrichtungen) und andere.

Über den Standard des modernen Pressenbaus hinaus wurden die Pressen unter anderem mit einer umfangreichen Nitrodynesteuerung in Verbindung mit federbetätigten Produktionswerkzeugen, einer elektromotorisch verstellbaren Vier-Punkt-Schnittschlagdämpfung, einer Regelung, hydraulischen Werkzeugspannern und mit einer für beide Pressen voll integrierte Wartungsplattform ausgerüstet. Jeweils in die Pressentische integrierte, hydraulisch einstellbare Rollenvorrichtungen sowie motorisiert fahrbare Rollentische sorgen dafür, dass der Werkzeugwechsel mit schweren Werkzeugen schnell und leicht vonstatten geht.

Erwähnenswert ist auch die Entsorgung von Stanzabfällen. Dazu ist im Keller, unter jeder Presse ein automatisches Sammel- und Fördersystem installiert. Dieses fördert die Abfallmaterialien direkt in einen Container außerhalb der Halle.

Nach einer komplikationsfreien Inbetriebnahme sind Lajos Novotni und sein Pressenexperte Mihály Kukucska überzeugt, dass die Neff-Pressen zusammen mit den anderen Neuinstallationen Hajdu Autotechnika weiter voranbringen. Die ersten Kunden profitieren bereits von den erweiterten technologischen Möglichkeiten. Dietmar Kuhn

www.neff-pressen.de

www.hajdurt.hu

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