Gerhard Hoffmann ist Geschäftsführer der Schneidforum Consulting und veranstaltet den "Deutschen Schneidkongeress" und den "Deutschen Brennschneidtag". Für die Cutting World ist er Ideengeber und Mitveranstalter.

Interviews

Neue Fachmesse Cutting World fokussiert das Schneiden

Interview mit Gerhard Hoffmann, Geschäftsführer Schneidforum Consulting, zur Fachmesse Cutting World vom 17.04 - 19.04.2018 in der Messe Essen statt.

Herr Hoffmann, Sie sind bei der Cutting World Partner und Ideengeber der Messe. Muss wirklich noch eine weitere Messe im Umfeld Schneiden sein? Welches Konzept steht hinter der Messe?

Für viele wichtige Fertigungsprozesse gibt es eigene erfolgreiche Fachmessen. Für das Schneiden fehlte bislang ein eigenes Format. Warum, haben wir uns gefragt? Oder können Sie uns weltweit eine Messe nennen, die sich primär mit dem Schneiden und den damit erforderlichen Prozessschritten befasst? Dass auf allen Blechmessen Schneidunternehmen vertreten sind, hat weniger mit einem Forum für den Fertigungsprozess zu tun als damit, dass der Schneidprozess zum Werkstoff Blech passt.

Wir sehen großes Potenzial. Denn zum einen wird durch Industrie 4.0 und der damit verbundenen Digitalisierung möglicherweise der größte Kraftakt der industriellen Geschichte auf uns zukommen. Dafür bedarf es zum einen einer Vielzahl an Informationen und einer gezielten Wissensweitergabe sowie zum anderen einer Verkettung, Digitalisierung und Prozessoptierung der einzelnen Fertigungsabläufe. Da Schneidanlagen zum hochwertigen Hightech-Segment gehören und mit einem erheblichem Entwicklungsaufwand und Know-how produziert werden, sind sie außerdem an sich schon messefüllend und sollten einen eigenen ‚Hafen‘ besitzen. Dieser Herausforderung stellen sich sowohl die Cutting World als auch der Deutsche Schneidkongress in den nächsten Jahren.

Darüber hinaus gab es auch ganz einfache, pragmatische Gründe für die Entwicklung des neuen Messeformats: Nach dem letzten Schneidkongress in Dortmund kamen Aussteller mit mehreren Ideen auf uns zu. Zum einen geht es darum, auch Maschinen ausstellen zu können. Und da es sich bekanntlich um verkettete Anlagen handelt, ist viel Platz erforderlich. Außerdem wird gewünscht, größere und repräsentativere Stände einsetzen zu können. Doch all dies geht über das bisherige Foyer-Format weit hinaus und erfordert eine andere Infrastruktur. Diese von außen kommenden Impulse haben dazu geführt, dass wir die Machbarkeit geprüft haben und der Schneidindustrie und dem Handwerk dieses neue Format jetzt gemeinsam mit der Messe Essen zur Verfügung stellen.

Blech spielt in der Industrielandschaft nach wie vor die größte Rolle. Doch gleichzeitig identifizieren wir als Trend, dass immer mehr Schneidbetriebe zusätzlich zu Blech auch andere Werkstoffe verarbeiten. Vielleicht ist es der Energiewende und Ökopolitik geschuldet – in jedem Fall gewinnen mehr und mehr Kunststoffverbindungen, Kohlefaserstoffe, Glasfasern et cetera im industriellen Umfeld an Bedeutung. Daher folgen die Cutting World und der Deutsche Schneidkongress der Entscheidung, moderne Werkstoffe zusätzlich zu Metallen zu berücksichtigen und damit auf aktuelle Entwicklungen einzugehen und den Weg für die Zukunft zu ebenen.

Dass dem Schneidprozess eine initiale Rolle in der Wertschöpfung zukommt, greift das Motto der kommenden Veranstaltung auf: ‚Schneiden ist erst der Anfang‘. Die Kombination aus Schneidkongress und Messe, die eng verzahnt sind, ergeben eine Mixtur mit Mehrwert. Alle Sinne werden angesprochen, denn Ganzheitlichkeit war schon immer unser Credo: Die Exponate sind erlebbare. Alle Beteiligten können auf hohem Niveau netzwerken, und letzlich Informationen aufnehmen, die vielleicht Basis für neue Geschäftsideen sind.

Im Unterschied zu Schweißen & Schneiden, Blechexpo oder auch Euroblech bezieht sich die Cutting World ausschließlich auf die Schneidtechnik? Welche Vorteile soll das bieten?

Ganz praktisch gedacht, bedeutet die Fokussierung auf ein Fachgebiet zunächst einmal kurze Laufwege. Der Besucher findet auf einer überschaubaren Fläche konzentriert eine Fülle an Angeboten und Informationen. Er bekommt am Ende des Tages das Gefühl, alles gesehen und mitbekommen zu haben, ohne einer Reizüberflutung ausgesetzt worden zu sein. Für Aussteller bedeutet dieses Konzept eine hohe Qualität an Besucheranfragen, denn bis zu 70 Prozent der Kongressbesucher sind Entscheider. Die Fokussierung auf das Schneiden bestimmt somit auch die Zielgruppe. Wer zur Cutting World oder dem deutschen Schneidkongress kommt, der interessiert sich auch genau für dieses Thema.

Im Schneidbetrieb beziehungsweise der Zuschnittabteilung fallen neben dem Zuschnitt natürlich eine Reihe weiterer Prozesse an. Schneiden steht oftmals am Anfang der Fertigungskette. Zusammen mit den beiden Kongressen, Fachinformationen und Trends bietet sich Anwendern die Chance, das aktuelle Wissen etwa über Verfahren, Trends und Materialien auf der Messe umzusetzen, das Maschinenangebot für den eigenen Betrieb beurteilen zu können sowie Chancen für die Zukunft zu erkennen.

Es geht also generell um das Schneiden, ganz gleich ob Blech, Holz, Stein oder Kunststoff? Dann zielen Sie also auf Besucher aus allen Branchen. Kann das funktionieren?

Messe und Kongress besitzen eine Laufzeit von drei Tagen. An jedem Tag setzen wir thematisch einen anderen Schwerpunkt. So wird es einen Tag geben, an dem wir die Dünnblechanwendungen fokussieren, an einem anderen stehen Grob- und Mittelblech im Fokus und für Kunststoffe, Glas, Kohlefaserstoffe steht ebenfalls ein Tag zur Verfügung. Natürlich gibt es übergreifende Themen wie Industrie 4.0 oder ein spezielles Marketing-Coaching oder spezielle juristische Seminare, die sich mit dem Datenschutz im „Internet of things“ befassen. Die Reihenfolge der Thementage und die Aufteilung der über 30 Referenten wird in den nächsten Tagen festgelegt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mehrtägige Kongressbesuche finden heute kaum noch Akzeptanz bei Unternehmen. Die Entsendung von Personal bedeutet auch immer die Abwesenheit im Betrieb, der Leistungsausfall lässt sich durch Personalmangel kaum abfedern. Daher haben wir den Kongress so ausgelegt, dass an einem Tag ein Fachgebiet abgedeckt wird.

Für Besucher ergeben sich fantastische Möglichkeiten durch ein an der Praxis ausgerichtetes Themenangebot. Geplant sind über 30 Referate, die von externen Beratern gehalten werden. In den Pausen steht genügend Zeit zur Verfügung um Netzwerke zu pflegen, neue Kontakte kennen zu lernen oder die Stände zu besuchen.

Die Cutting World ist kombiniert mit dem Deutschen Schneidkongress und dem Deutschen Brennschneidtag. Wie wird das ablaufen?

Wir haben aus den Erfahrungen vergangener Kongresse das Beste extrapoliert. Manches verändert und manches angepasst und anderes weglassen müssen. Eine solche Fusion von Konzepten stellte eine Herausforderung dar, die uns beide, Messe Essen und Schneidforum, besonders reizte.

Die große Besonderheit ist die ideale Lage des Congress Centers der Messe Essen. Eine optimale Verkehrsanbindung, günstige Hotels und Restaurants umfassen das äußere Bild. Parkplätze sind reichlich vorhanden und schnell zu Fuss zu erreichen. Doch die inneren Werte waren ebenso ausschlaggebend für die Wahl der Location: Der Kongressbereich ist nur wenige Meter von der Messehalle entfernt. Einschränkungen bezüglich der Exponate sind Essen-typisch kaum gegeben, genügend stabile Strom- und Gasversorgungen sind für die Anlagen ausreichend verfügbar. Jeder von uns beiden konzentriert sich auf seine Kernkompetenz: Messe Essen sorgt für den reibungslosen Messeverlauf und kümmert sich um die Wünsche der Aussteller und Messebesucher. Während wir die Planung und die Durchführung des Kongresses übernehmen.

Messe Essen hat hierzu eine genügend große Halle reserviert, doch sollte mehr Ausstellungsfläche benötigt werden, so stellt dies für Essen kein Problem dar. Der angrenzende Kongressbereich verfügt über zwei große Hörsäle sowie über weitere Seminarräume, die ebenfalls belegt werden.

Der Deutsche Schneidkongress und der Deutsche Brennschneidtag werden beide parallel mit Themen und Referaten zur Verfügung stehen, wobei die Referate am Brennschneidtag unter dem Motto Best-practices gehalten werden und kostenlos von Messebesuchern besucht werden können. Während der Schneidkongress wie üblich eine Kongressgebühr erfordert und damit ein anderes Themen-Setting, Getränke und Buffet ermöglicht, ebenso ist der Messebesuch im Kongressticket enthalten. Somit bietet der Kongress Formate an, die den Wissensdurst der Pragmatiker, der Manager und der Wissbegierigen stillen kann.

Welche Themen werden auf dem Kongressen behandelt?

Darüber kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel sagen, denn eine unabhängige Fachjury wird über die Auswahl und die Zulassung der Themen am deutschen Schneidkongress entscheiden. Die Jury besteht aus Experten von Hochschulen und Instituten sowie aus Endanwendern, die ein gutes Gefühl für die Relevanz und den Inhalt der Themen besitzen. Dieses Auswahlverfahren von Referenten und Themen am Schneidkongress dient dazu, eine hohe Qualitätssicherung in den Referaten zu sichern. Unter www.schneidkongress.de können in Kürze die Themen eingesehen werden, sobald die Jury ihre Arbeit abgeschlossen hat.

Können Sie kurz zusammenfassen, warum ein Besucher zu der neuen Gesamtveranstaltung kommen soll? Können Sie schon etwas über die voraussichtliche Zahl der Aussteller sagen? Wie ist bisher die Resonanz?

Der Reiz der Fachmesse liegt darin, dass man sich nicht die Füsse wund läuft und doch nur 10 Prozent der Aussteller schafft, sondern dass man sich effektiv informieren kann.

Der Mix aus Kongress und Messe vereint die Vorteile beider Welten. Gespräche und Netzwerken verlaufen auf Kongressen in der Regel tiefer. Aufgrund der Themenvielfalt der Referate werden den Besuchergruppen immer wieder Steilvorlagen für Gesprächsthemen geliefert, in die man gut einsteigen kann und die die Besucher auf neue Ideen stoßen lassen. Generell liegt der besondere Reiz der Fachmessen in ihrer Effizienz und den kurzen Wegen. Statt viel Zeit auf langen Wegen und großen Hallen zu verbringen, findet der Interessent konzentriert seine Lieferanten an einem Punkt und gewinnt Zeit für das Wesentliche und für die Vertiefung der Gespräche. Bereits das Konzept der Fachmesse bedingt einen natürlichen Zustrom der passenden Besuchergruppe, so dass der Nutzwert in einem anderen Verhältnis zum Aufwand steht.

Um Besucher in der heutigen Zeit abzuholen, ist es erforderlich ihnen das Beste aus beiden Welten anzubieten: Information, Wissen, Meinungsvielfalt, Erfahrungen und Eindrücke – Dinge, die man in dieser Form nicht aus dem Internet ziehen kann - und dies so effizient und zeitsparend, wie möglich.

Wir streben einen soliden Start für das Fachformat im deutschsprachigen Raum mit Marktführern und Global Playern an.

Die Cutting World und der Deutsche Schneidkongress wollen dazu beitragen, dass Schneiden im Hochlohnland Deutschland attraktiv bleibt und die Betriebe sich auf Industrie 4.0 optimal einstellen und profitieren können.

Danke für das Gespräch

Volker Albrecht

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